Samstag, 23. März 2013

[Filmvorstellung] 3096 Tage

Bildquelle


Produktionsjahr: 2013
Laufzeit: 111 Minuten
Altersfreigabe: freigegeben ab 16 Jahren

Inhalt:
Im Alter von zehn Jahren wird Natascha Kampusch (Amelia Pidgeon, später Antonia Campbell-Hughes) auf dem Weg zur Schule von Wolfgang Přiklopils (Thure Lindhardt) entführt und acht Jahre gefangen gehalten. Die meiste Zeit ist sie in einem kleinen Raum unterhalb der Garage eingesperrt und ihre Zeit dort wird von Nahrungsentzug, physischer und psychischer Gewalt gezeichnet. 


Meine Meinung:
Nach langem Überlegen hatte ich mich doch dazu entschlossen, den Film im Kino zu sehen. Ansonsten hätte ich ihn sicherlich einmal auf DVD geguckt, denn die Geschichte von Natasche Kampusch kennt wohl jeder und auch wenn man es sich nicht eingestehen möchte, möchte man doch mehr darüber erfahren. Der Mensch ist nun mal neugierig.
Da ich vorher das gleichnamige Buch nicht gelesen habe, wusste ich nur grob, was auf mich zukommen würde, hatte ich vorher meine Erinnerung zu diesem Fall nicht wirklich aufgefrischt.

Ich muss sagen, dieser Film ist mir sehr an die Nieren gegangen und wenn ich an ihn zurückdenke, muss ich immer noch die Tränen herunterschlucken. Es ist eine Geschichte, die schockiert. Sie ist unvorstellbar und löst Beklemmungen aus. Und das liegt auch an den Leistungen der Schauspieler und an der Inszenierung durch die Regisseurin.
Natascha Kampusch wird in diesem Film von Amelia Pidgeon und von Antonia Campbel-Hughes gespielt, wobei erstere Kampusch als zehnjähriges Mädchen spielt. Sie spielen beide überzeugend ihre Rolle, haben einen starken Ausdruck in Gesicht und Gesten und haben mich als Zuschauer direkt in ihre Geschichte gefangen genommen.
Aber auch Thore Lindhardt alsEntführer Wolfgang Priklopil hat ganze Arbeit geleistet. Wandelbar von einem sympathischen Mann, der noch liebevoll von seiner Mutter umsorgt wird, wird er zum Monster und quält sein Opfer durch Gewalt und Essensentzug.

Sherry Horman, die Regie geführt hat, hat sich meiner Meinung nach die verschiedenen Szenen perfekt inszeniert, um den Zuschauer in diese groteske und erschreckende Geschichte versinken zu lassen. So wird der sexuelle Missbrauch nur als kleiner Teil des großen Ganzen dargestellt, bekommt keine Sonderstellung, sondern fädelt sich ein in eine Reihe voller schrecklicher Dinge, die Natascha Kampusch über sich ergehen lassen musste.

Das schlimmste allerdings sind für mich die grotesken Szenen gewesen. Man nehme zum Beispiel den18. Geburtstag von Natasche Kampusch, den sie mit ihrem Entführer in dessen Küche feiert und sogar von ihm ein Geschenk bekommt. Ihre Freude darüber, ob nun gespielt, um ihn nicht zu verärgern, oder echt, erscheint manchen sicherlich nicht nachvollziehbar, aber genau in diesen Situationen wird deutlich wie pervers das Abhängigkeitsverhältnis von Opfer und Täter ist. Immerhin war der Täter die einzige Bezugsperson und das über 8 lange Jahre hinweg.
Hinzu kommen noch andere skurrile Szenen - über die man sicherlich in einem anderen Zusammenhang lachen würde - , wie die, in der Kampusch direkt nach ihrer Flucht von den Polizisten als erstes nach ihrem Ausweis gefragt wird. Eine Szene, die man ebenfalls nur schwer nachvollziehen kann und noch einmal zum Ende allem die Krone aufzusetzen scheint.

Fazit:
Noch nie zuvor habe ich nach einem Film so lange im Kino gesessen und über das Gesehene nachgedacht. Und ich muss gestehen, dass mich das Entsetzen, die Ungläubigkeit und Ergriffenheit erst vollständig erreicht hat, als der Abspann lief. All diese Empfindungen fielen wie eine riesige Welle über mich zusammen und ließen mich daraufhin auch lange Zeit nicht los. Und auch jetzt noch, wenn ich darüber nachdenke, muss ich schlucken - den Film habe ich am Dienstag gesehen, es ist also schon ein wenig her.
Für mich ist dies ein Film, der eine grausame Geschichte einer starken Person sehr gut widerspiegelt und für die Zuschauer vielleicht auch ein wenig greifbarer macht. Vielleicht kann man stückweise besser nachvollziehen, was Kampusch in der Zeit durchmachen musste.
Eine richtige Bewertung möchte ich allerdings nicht geben, empfehle den Film aber trotzdem weiter.

Kommentare:

  1. Hey meine Liebe,

    ich weiß noch, wie Nataschas Geschichte vor einigen Jahren überall durch die Presse ging. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Mutter damals das erste Interview mit ihr im Tv gesehen hat und danach völlig fertig war.
    Seit längerem überlege ich schon, das Buch zu lesen, konnte mich aber bisher noch nicht ganz dafür entscheiden. Als ich dann gelesen habe, dass ihre Geschichte nun verfilmt wird, war ich zwiegespalten. Einerseits finde ich es "gut", dass ihr so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Es ist ein Weg, den Menschen die Augen zu öffnen, die immer noch viel zu sehr glauben, dass solche Geschehnisse bei uns nicht möglich/realistisch sind.
    Andererseits war ich skeptisch, ob es möglich ist, Nataschas Geschichte authentisch darzustellen. Es ist eben doch einiges an Grausamkeit, wodurch sie sich auszeichnet.

    Nach dem, was ich hier lese, scheint die Verfilmung aber gelungen zu sein und bestärkt mich in meiner Neugier. Ich weiß nicht, ob ich ihn im Kino sehen werde, aber auf jeden Fall einmal auf Dvd!

    Vielen Dank für deine Vorstellung! :)

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    1. Hej,

      Mir ging es ähnlich wie dir. Vor allem nachdem ich gehört hatte, dass man sich danach als sehr veuyoristischer Zuschauer fühlt. Ich muss sagen, ein bisschen ging es mir ebenfalls so, aber ich denke, dass sie es geschafft haben, alles gut einzufangen. So wie es eben möglich ist.
      Und ich denke eine "gute" Sache daran ist auch, dass sie es selbst so möchte. Sie hat wohl viel auch mit der Regie zusammengearbeitet. Ihr hilft es scheinbar alles zu verarbeiten.

      Liebe Grüße
      Jojo

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  2. Mich interessiert der Film, aber irgendwie habe ich auch Angst davor, ihn zu sehen. Und deine Meinung bestärkt mich darin. Vielleicht schaue ich ihn mir irgendwann mal alleine zu Hause auf DVD an.

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