Sonntag, 28. Oktober 2012

[Filmvorstellung] Das Kind



Bildquelle

Produktionsjahr: 2012
Laufzeit: 118 Minuten
Altersfreigabe:
ab 16 Jahren

Inhalt:
Simon (Christian Traeumer), ein zehnjähriger Junge, glaubt, er wäre in einem früheren Leben ein Mörder gewesen und beauftragt den bekannten Strafverteidiger Robert Stern (Eric Roberts).
Anfangs glaubt Stern dem todkranken Jungen kein Wort, ist dafür umso erstaunter, als dieser ihn wirklich zu einer Leiche in einem Industriegebiet führt. Fünfzehn Jahre soll diese bereits dort gelegen haben, und es ist nicht der einzige Tote, den Simon dem Anwalt zeigt. Schon bald findet sich Stern in einem Fall wieder, den die Polizei schon lange vergeblich versucht aufzudecken.

Trailer

Meine Meinung:
Schon lange habe ich die Planung und später die Produktion des Filmes verfolgt, was durch die Facebook-Seite sehr gut möglich war. Außerdem habe ich mich auch an der Fan-Aktion beteiligt und bin dementsprechend namentlich im Abspann erwähnt, eine Aktion zu der ich nicht Nein sagen konnte. Allein deswegen hat der Film vielleicht schon einen Stein bei mir im Brett. Aber auch sonst schien er mir durchaus sehr gelungen.
Leider konnte ich bis jetzt noch nicht das Buch von Sebastian Fitzek lesen, was ich allerdings nach dem Film so schnell wie möglich nachholen möchte.

Die Geschichte an sich war spannend und mitreißend. Der Film kam einem, trotz seiner Länge, nicht langweilig vor, da immer wieder irgendetwas passierte, von dem man mitgerissen wurde und auch das Ende war - jedenfalls für mich - überhaupt nicht vorhersehbar, was bei Thrillern doch sehr wichtig ist.
Die Handlung war verworren, aber nicht so sehr, dass man ihr nicht folgen konnte, wenn man während des Films ein wenig aufgepasst hat. Hinzu kommt das Thema der Kinderpornographie, die aufgegriffen wird und dem Ganzen einen sehr bitteren Beigeschmack gibt. Der Film setzt dieses Thema gnadenlos um und nimmt in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund. Eine Sache, die ich ihm sehr hoch anrechne, da bei solch schwierigen Themen oft alles verharmlost wird.
Auch die Schauspieler haben mir sehr gut gefallen. Sie haben schon miteinander agiert und man hat ihnen ihre Rolle vollkommen abkaufen können. Besonders der kleine Christian Traeumer in der Rolle des Simon hat mir sehr zugesagt. Er hat seinen Charakter überzeugend dargestellt, was in dieser Art sicherlich nicht immer ganz einfach war.
Was mir leider nicht ganz gefallen hat, war die Zusammensetzung von Stern und Carina Freitag. Mir schien die Schauspielerin Sunny Mabrey etwas zu jung neben Eric Roberts. Aus irgendeinem Grund konnte ich mich damit nicht wirklich anfreunden, was allerdings auch Geschmackssache sein dürfte.

Eine weitere, sehr gelungene Sache waren die Kamerabilder und die verschiedenen Techniken die eingesetzt wurden. Wer den Film gesehen hat, weiß sicher genau, was ich meine. Man hat gemerkt, dass man sich darüber sicherlich Gedanken gemacht haben muss, denn vor allem die Bilder durch ein Nachtsichtgerät haben die Szenerie in ein ganz besonderes Licht getaucht. Und auch viele der unterschiedlich eingefügten Erinnerungsfetzen wirkten gut überlegt und schön eingefädelt in das Gesamtbild. Ein großes Lob da an den Kameramann Kim Howland.

Fazit:
Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen und ich kann ihn wirklich nur empfehlen. Leider läuft er nur in einigen ausgewählten Kinos Deutschland, aber wer die Möglichkeit hat, ihn zu sehen, sollte ihn sich wirklich anschauen und die Chance nicht verpassen.
Von mir bekommt der Film 4,5 von 5 Sternen.

Freitag, 26. Oktober 2012

[Buchvorstellung] Ursula Poznanski - Saeculum


Bildquelle

Verlag: Loewe Verlag
Seitenzahl: 493 Seiten
ISBN: 978-3-7855-7028-9

Inhalt:
Bastian ist Medizinstudent und hätte selbst wohl nie gedacht, dass er sich für fünf Tage vollkommen von der Außenwelt abschotten würde.
Auf Sandras Bitten hin nimmt er an einem Live-Rollenspiel teil, das im Mittelalter spielen soll. Dementsprechend sind weder Handy noch Pflaster und auch keine Brille gestattet.
Die Rollenspielgruppe reist zusammen in ein abgelegenes Waldstück und möchte dort einmal vollkommen abschalten. Als jedoch klar wird, dass der Spielort verflucht sein soll, fällt ein erster dunkler Schatten auf das Unternehmen. Anfangs glaubt niemand an diesen alten Fluch, doch mit der Zeit passieren immer mehr seltsame Dinge in dem Lager und es verschwinden sogar Mitspieler. Irgendetwas scheint in dem Wald nicht mit rechten Dingen zu gehen? Ist es tatsächlich der Fluch, der hinter allem steckt?

Meine Meinung:
Nachdem ich von Ursula Poznanski Erebos gelesen habe und sehr begeistert von der Geschichte, ihren Figuren und ihrer ganzen Konzeption war, war ich sehr gespannt auf ihr zweites Werk. Saeculum. Allein der Titel klingt schon sehr interessant, zusammen mit der Inhaltsangabe war es dann schließlich ein Muss, dass ich mir das Buch irgendwann kaufen musste. Auch die Aufmachung ist etwas ganz besonderes.
Das schwarz-weiße Cover wirkt schon sehr gespenstisch und interessant, genauso wie die schwarz verfärbten Seitenränder und wenn man einmal durch das Buch blättert, findet man schnell auch ein paar Seiten, die vollkommen in Schwarz getaucht sind.

Doch so viel ich zu Beginn schwärmen muss: Die Geschichte hat mich am Ende doch nicht so sehr überzeugt, vielleicht gerade weil ich sehr hohe Erwartungen an das Buch hatte.
Das größte Problem dabei war, dass ich einige der Wendungen bereits früh erraten konnte und so die Spannung ziemlich schnell verschwunden war. Außerdem haben mir manche Dinge auch einfach nicht gefallen, weil es dann doch zu abgedroschen klang, in meinen Augen. Insbesondere eben am Ende die Aufklärung der verschiedenen Vorkommnisse. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich sagen, dass ich es mir so einfach nicht gut vorstellen konnte. Es war mir nicht realitätsnah genug. Mehr möchte ich zu der Geschichte an sich nicht sagen, weil ich sonst zu viel verraten würde, was bei einem solchen Thriller nicht gerade toll ist, wenn man ihn noch lesen möchte.

Hinzu kamen irgendwie die Charaktere. Sie waren zwar teilweise gut gezeichnet, aber andere waren mir dann doch zu blass. Sie waren einfach nur, gingen mir teilweise sogar mit ihrem Getue ziemlich auf den Keks und ich habe mich wirklich gefragt, wieso sie eigentlich da waren. Zum Beispiel erging es mir bei Ralf so. Er war einfach da, kurzzeitig wurde einmal auf seine private Geschichte eingegangen, aber das war’s dann auch schon. Danach wurde er fallen gelassen und die Autorin ist nicht weiter auf ihn eingegangen. Ganz anders kam es mir zum Beispiel bei Warze und Steinchen vor. Die beiden schienen, trotz Nebencharakterrolle, sehr gut dargestellt, haben mir gefallen und wirkten irgendwie vollkommen überzeugend.
Die Hauptcharaktere dagegen gefielen mir eigentlich alle sehr gut. Man konnte sie irgendwie greifen, ich hatte zwar das Gefühl, dass man sie leicht durchschauen konnte, aber trotzdem waren sie interessant und ich habe durch sie auch gerne in dem Buch weiter gelesen.

Der Schreibstil. Ein weiterer Punkt, der immer wichtig bei Büchern ist. Mir hat er gefallen. Er ist nicht großartig ausgeschmückt oder komplex, aber er ist auch nicht langweilig oder einfallslos. Ich denke, dass die Autorin ein perfektes Mittelmaß gefunden hat. Man wird nicht vom Geschehen abgelenkt und kann schnell weiterlesen, da durch das Geschehen schon Spannung erzeugt wird und da wäre, denke ich, ein komplexer Stil hinderlich, besonders im Bereich der Jugendbücher.

Fazit:
Insgesamt hat mir das Buch doch ganz gut gefallen. Hier und da gibt es einige Dinge, die mich nicht vollkommen überzeugen konnten und wenn ich es wirklich im Vergleich zu Erebos sehe, steht Saeculum weit dahinter.
Insgesamt bekommt das Buch von mir 3 von 5 Sternen.

Dienstag, 23. Oktober 2012

[Buchvorstellung] Alice Kuipers - Sehen wir uns morgen?



Bildquelle
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
Seitenzahl:
240 Seiten
ISBN: 978-3-596-17847-6

Inhalt:
Claire und ihre Mutter verpassen sich ständig. Dann hinterlassen sie sich Nachrichten an der Kühlschranktür - mit Einkaufslisten, Verabredungen, kleinen Geschichten aus ihrem Leben.
Bis die Mutter eines Tages eine Entdeckung macht, nach der nichts mehr ist wie zuvor. Und Mutter und Tochter auf den kleinen Zetteln so viel mehr unterbringen müssen als bisher ...

Ein ganzes Leben, ein ganz besonderer Roman in Botschaften an der Kühlschranktür - tief berührend und voller Liebe.

Meine Meinung:
Dieses Buch konnte man sehr schnell durchlesen, was leider nicht unbedingt darauf hindeutet, dass es extrem spannend oder ergreifend ist.
Das besondere an dem Buch ist wohl die Art, wie es aufgebaut ist. Der Leser erhält in die Charaktere nur einen Einblick durch die Zettelchen von Mutter und Tochter am Kühlschrank. Hin und wieder sind sie länger, manchmal steht nur eine kurze Einkaufsliste darauf und dann ist wieder nur ein Satz zu lesen. Dementsprechend konnte man das Buch innerhalb von ein paar Stunden durchlesen.

Was mir an dieser Art des Schreibens nicht so gut gefallen hat, ist, dass man die Charaktere überhaupt nicht kennen lernt. Man weiß ein bisschen etwas über sie, das Zettel-Schreiben zieht sich mehrer Monate, aber trotzdem wird man einfach nicht mit Mutter und Tochter warm. Jedenfalls ging es mir leider so. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich in ihrer Geschichte gewesen wäre und demnach kann ich auch leider nicht sagen, dass mich das Ende überaus stark berührt hat.
Es geht alles sehr schnell an einem vorbei. Das einzige, was vielleicht dadurch gut rübergekommen ist, ist die Tatsache, dass Mutter und Tochter sich kaum sehen. Dadurch scheinen auch sie sich kaum zu kennen, leben irgendwie zusammen und doch in irgendeiner Weise auch aneinander vorbei. Genau diese Sache ist eben ziemlich traurig und kommt einem dann manchmal vielleicht auch sehr bekannt vor. Denn wer schreibt nicht hin und wieder den Eltern einen Zettel, auf dem steht, wie der Tag war oder wo man sich gerade aufhält? Genau dieses aus dem Leben gegriffene ist eine Sache, die mir gefallen hat.
Ansonsten war auch der Schreibstil einfach und eher ungewöhnlich. Aber was erwartet man auch anderes von kleinen Zettelchen am Kühlschrank? Hochherausragende Weltliteratur darf man dabei auch kaum erwarten.
Was mir allerdings besonders gut gefallen hat, war dann doch das Ende. Obwohl ich kaum mit den beiden Charakteren warm werden konnte, hatte ich am Ende einen Kloß im Hals. Vielleicht genau aus dem Grund, weil es so aus dem Leben gegriffen schien. Das kann ich selbst nicht genau sagen. Alice Kuipers hat es demnach schon geschafft, mich in irgendeiner Weise zu fesseln. Zwar nicht, wie andere Autoren, aber trotzdem hat sie mich mit ihrer Geschichte nicht vollkommen kalt gelassen, was dann doch ein ziemlicher Pluspunkt ist.

Fazit:
Leider kann ich zu dem Buch nicht wirklich viel sagen, weil es einfach nicht viel zu lesen gab. Ich hatte kaum eine Verbindung zu den Charakteren, aber trotzdem habe ich am Ende ein bisschen mitfühlen können. Das Buch konnte mich nicht vollständig mitreißen, aber für eine angenehme Lektüre zwischendurch, war es doch nicht schlecht.
Trotz allem erhält es leider nur 3 von 5 Sternen.

Sonntag, 7. Oktober 2012

[Urlaubsgrüße] Eindrücke von Mallorca

Mallorca, das 17. Bundesland Deutschland?
Das wird jedenfalls oft gesagt, weil so viele Deutsche auf der spanischen Insel im Mittelmeer Urlaub machen. Und in diesem Jahr gehörte auch ich zu diesen Besuchern und habe mir die Insel noch einmal angesehen.
Diesmal war ich an dem nördlichsten Zipfel, das Wetter war super - bis auf einige Ausnahmen, aber darüber rede ich mal jetzt nicht. Die Sonne schien und das Wasser war extrem blau und angenehm warm. Viel haben wir nicht gemacht, aber auch um unser Hotel herum gab es wunderschöne Ecken und natürlich durfte trotz allem auch ein Ausflug zum Kap Formentor nicht fehlen.

Ich kann Mallorca nur empfehlen, denn wenn man an den richtigen Stellen Urlaub macht, dann ist an Party nicht zu denken. An den richtigen Stellen warten kleine Fischerdörfer, unberührte Natur und angenehme Stille.

Ein wunderschöner Abend am Wasser

Kein Fischerdorf - trotzdem wunderschön

Das tiefblaue Meer

Stille am Morgen

Dienstag, 2. Oktober 2012

[Buchvorstellung] Jussi Adler-Olsen - Verachtung



Bildquelle

Originaltitel: Journal 64
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Seitenzahl:
544 Seiten
ISBN:
978-3-423-28002-0

Inhalt:
Das Sonderdezernat Q stößt auf sechs Personen, die alle im September 1987 spurlos verschwanden. Carl Mørck ermittelt in diesen Vermisstenfällen zusammen mit seinen Assistenten Assad und Rose.
Die Spuren führen zu einer Partei namens »Klare Grenzen« und den Parteimitbegründer Curt Wad, ein Gynäkologe mit unmenschlichen Ansichten und einer schrecklichen Vergangenheit. Dieser sieht sein Lebenswerk durch die drei Ermittler mit ihren etwas eigenen Strategien sehr gefährdet und reagiert skrupellos.

Hintergrund:
In diesem Buch wird immer wieder auf eine Frauenanstalt auf Sprogø eingegangen, die es von 1923 bis 1961 wirklich in Dänemark auf eben dieser Insel gegeben hat. Im Zuge der damals geltenden Gesetze zur Rassenhygiene und Eugenik wurde die Anstalt, auch bekannt unter dem Namen »Kellersche Anstalt«, eingerichtet und es wurden Frauen eingeliefert, die der damaligen Moral nicht gerecht wurden. Oft wurden sie im gleichen Zuge als »debil« abgestempelt und kamen nur durch eine Einwilligung in eine Sterilisation von der Insel zurück aufs Festland.
Auch weiterhin spricht das Buch auch Zwangssterilisationen an, die zu der Zeit nicht nur in Dänemark oft vorherrschten, sondern in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in etwa dreißig westlichen Staaten praktiziert wurden. In Dänemark wurden bis 1967 ungefähr elftausend Frauen sterilisiert, wobei man davon ausgeht, dass es sich bei 50% um eine Zwangssterilisation handelte.
Bis heute hat das Königreich Dänemark den betreffenden Frauen keine Entschädigung gezahlt und sich auch nicht bei den Opfern für die Menschenrechtsverletzung entschuldigt. Dies erfolgte dagegen in Staaten wie Schweden, Norwegen und Deutschland bereits.

Sie spürte seinen lauernden Blick mit jeder Faser ihres Körpers und sie wusste,
dass ihr Leben binnen Sekunden in sich zusammenstürzen würde,
wenn sie nicht augenblicklich reagierte. [...]
»Erinnerst du dich nicht mehr an mich, Nete? Doch, das tust du. Curt Wad. Du erinnerst dich sicher

Meine Meinung:
Der vierte Teil um Carl Mørck, Assad und Rose aus dem Kopenhagener Sonderdezernat Q ist endlich erschienen. Wieder Mal graben die drei einen alten Fall aus, der größer als anfangs gedacht ist. Spannung pur bis zur letzten Seite wartet hier auf jeden begeisterten Krimi- und Thriller-Fan und immer wieder sorgen Assad und Carl für Lacher. Aber diesmal wird alles durch diesen wahren, schrecklichen Hintergrund überschattet.

Ich muss sagen, dass mir dieses Buch sogar am Besten gefallen hat von allen bis jetzt erschienen Büchern der Reihe.
Dies lag hauptsächlich an dem Hintergrund, den Adler-Olsen sich für dieses Buch ausgewählt hat und auf das er all die Geschehnisse stütz. Hinzu kommen die bekannten und unbekannten Charaktere, die alle wirklich toll gezeichnet sind und mit denen man immer mehr mitfiebert.
Vor allem die bereits bekannten Charaktere sorgen auch hier wieder für einige Überraschungen. Carls Liebesleben wird angekurbelt, seine zukünftige Exfrau verschwindet scheinbar endgültig aus seinem Leben. Von Assad weiß man immer noch nicht viel, aber man bekommt immer mehr das Gefühl, dass etwas da ist, was ihn extrem belastet und man würde am liebsten allein seinetwegen das nächste Buch lesen, um über seine Geschichte mehr zu erfahren. Auch über Rose, die im dritten Teil doch teilweise sehr seltsam war, erhält man einige neue Informationen und lernt sie so näher kennen und in irgendeiner Weise auch verstehen.

Die Handytastatur hatte zweifellos ein Pygmäe mit Makkaroni-Fingern entwickelt. Jeder durchschnittliche Nordeuropäer musste sich beim Tippen fühlen wie ein Nilpferd beim Blockflötespielen.

Aber Adler-Olsen schafft es auch die anderen Charaktere präzise und genau einzufangen. So haben wir Nete Hermansen, aus deren Sicht man immer wieder etwas erfährt. Dadurch bekommt man einen Einblick in ihr Vorhaben und ihre Vergangenheit und fragt sich regelrecht, wie sie überhaupt so weiterleben konnte und sich zu der Frau entwickeln konnte, die sie im Prolog ist. Hier kommt besonders der Hintergrund um die Anstalt auf Sprogø zum Einsatz, denn Nete gehört zu den Frauen, die auf dieser Insel gefangen gehalten wurden und alles miterlebt haben. Auch wenn sie ein fiktiver Charakter ist, bekommt man, denke ich, einen guten Einblick, wie es auf Sprogø zugegangen sein muss.
Auch Curt Wad ist ein sehr gelungener Charakter. Über ihn erhält man Einblicke aus der Vergangenheit, aber auch aus der jetzigen Zeit. Man erfährt viel über seine Partei und die geheime Organisation, die vor allem früher aktiv gewesen ist und bei der Frauen ohne ihr Wissen sterilisiert wurden. Außerdem merkt man an seiner Partei und an seinem Vorhaben, wie leicht es doch manchmal sein kann, dass sich so perfide Ansichten überallhin ausbreiten können. Man kann sich demnach scheinbar nie sicher sein, was wirklich hinter den Kulissen mancher Parteien so abspielt und ist am Ende entsetzt, dass sich ihre Kontakte bis hin zur Polizei ausbreiten.

Da kommen wir auch schon genau zu dem Thema, das sich durch das ganze Buch zieht. Zwangssterilisierung, Abtreibungen ohne das Wissen der Frauen, Vergewaltigung und Frauen, die wie Dreck behandelt wurden. Ein Thema, das explosiv ist und auf Sprogø in Dänemark bis 1961 wirklich passiert ist.
Genau weil Adler-Olsen vor solch einem Thema nicht zurückschreckt, gefällt mir dieses Buch sehr gut. Er lässt immer wieder die Grausamkeit der damaligen Anstalt durchscheinen und gibt dem Leser dadurch ein ganz ungutes Gefühl. Immer wenn ich das Buch für eine Lesepause unterbrechen musste, habe ich weiterhin über diese Dinge nachgedacht, vor allem mit dem Hintergedanken, dass es sich alles auf eine wahre Anstalt stützt, ist es noch schrecklicher und regt noch mehr zum Nachdenken an.

Beim Aufwachen stellte sie fest, dass ihre Arme mit einem Lederriemen festgezurrt waren. Zum Schreien hatte sie keine Kraft mehr.
So lag sie tagelang da, ohne ein Wort zu sprechen. Wenn Nete gefüttert werden sollte, drehte sie den Kopf weg und dachte an ihren Zufluchtsort hinter dem Hügel mit den Pflaumenbäumen und an die Strahlenbündel der Sonne, die funkelnd durch das Laub fielen.

Das einzige, was etwas schade ist, ist dass das Buch wieder einmal sehr schnell vorbei war. Ich hatte es in Null-Komma-Nichts, trotz der über 500 Seiten, durch und bin wirklich traurig, dass ich jetzt nicht weiter mit Carl, Assad und Rose an irgendwelchen alten Fällen arbeiten kann, sondern erst bis zum nächsten Teil warten muss, der aber hoffentlich schnell erscheinen wird. Am liebsten würde ich mir die Manuskripte des Autors schnappen und mir von ihm alles über die geplanten weiteren Bücher erzählen lassen.

Fazit:
Alles in allem hat mir das Buch wirklich sehr gut gefallen und ich kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen, der spannende Thriller gerne liest und gleichzeitig auch vielleicht etwas über die Vergangenheit eines Landes erfahren möchte.
Von mir erhält das Buch 5 von 5 Sterne. 

Die kursiven, farbigen Abschnitte sind Zitate aus dem hier vorgestellten Buch.

Montag, 1. Oktober 2012

[Buchvorstellung] Philip Pullman - Der goldene Kompass


Bildquelle


Originaltitel: His Dark Materials 1: Nothern Lights
Verlag: Carlsen Verlag
Seitenzahl:
460 Seiten
ISBN:
978-3-551-35720-5

Inhalt:
Lyra ist ein lebhaftes Mädchen, das mit ihrem Dæmon Pantalaiomon in dem Jordan College in Oxford lebt. Ihr Onkel Lord Asriel besucht sie dort regelmäßig zwischen seinen Expeditionen, auf denen er auf der Suche nach Staub ist.
Als er eines abends auftaucht, zeigt er den Wissenschaftlern Jordans einige Aufnahmen, auf denen im Nordlicht eine andere Stadt schimmert. Asriel hofft auf finanzielle Unterstützung des College.
Als kurz nach seiner Abreise die ersten Kinder aus Oxford und Umgebung verschwinden, fragt sich Lyra, was es überhaupt mit Staub auf sich hat. Sie möchte unbedingt auch in den Norden, um mit ihrem Onkel dort zu forschen. Was sie allerdings nicht weiß, ist, was wirklich im hohen Norden passiert und dass sie bereits schneller als gedacht auf dem Weg dorthin ist.

Meine Meinung:
Ich bin mit einem sehr seltsamen Gefühl an das Buch herangegangen. So viele haben mir vorher gesagt, dass sie es nicht sonderlich gut fanden und irgendwie war ich ziemlich skeptisch, ob es mir überhaupt gefallen könnte, weil ich überhaupt kein Fantasy mehr lese.
Aber ich muss dieses vorherige Gefühl vollkommen streichen. Es war eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Die Welt in der Lyra lebt, ähnelt der unseren ziemlich, Nur, dass die Menschen immer und überall von ihrem Dæmonen begleitet werden. Ein kleines Detail, das mir bereits in der Verfilmung sehr positiv aufgefallen ist und hier im Buch noch viel mehr hervorstach, weil einfach viel mehr darauf eingegangen werden konnte.
Lyra und Pan sind so unberührt in diesem Buch, kindlich und gleichzeitig doch stark und irgendwie schon erwachsen, da sie so viele Dinge erleben, dass sie dabei eigentlich gar keine Kinder bleiben können. Ich habe die ganze Zeit mit ihnen mitgefiebert, hatte das Gefühl, dass nicht eine Stelle langweilig gewesen ist.
Aber auch die anderen Charaktere haben mir sehr gefallen, insbesondere Iorek Byrnison, der Panserbjørn, und Lord Asriel haben mir sehr gefallen.
Obwohl Iorek ein Bär ist, kam er mir doch irgendwie wie ein Mensch vor. Ich fand es überhaupt nicht schlimm, dass dieser Bär sprechen konnte, was vielleicht einigen sauer aufstoßen könnte, aber das ist auch Geschmackssache und vollkommen verständlich. Aber er war einfach ... ich weiß auch nicht. Er war toll von Pullman gezeichnet und man hat einen tollen Einblick auch in seine Welt und seine Geschichte erhalten, damit er greifbar wirkte.
Lord Asriel ist da irgendwie etwas anders. Ihn kann man, wie ich finde, kaum durchschauen. Man hat immer ein Gefühl, was er jetzt gerade machen könnte, aber nie weiß man, ob es am Ende wirklich so sein wird. Man kennt zwar sein Ziel, aber man weiß einfach nicht, wie er es durchsetzen möchte, wodurch er einen ganz besonderen Reiz bekommt.

Der Schreibstil von Philip Pullman ist ebenfalls etwas besonderes. Leider kann ich immer noch nicht genau sagen, was mir daran so gut gefällt, aber es ist einfach irgendwie was anderes, wie ich finde. Er schreibt angenehm und anschaulich, aber gleichzeitig auch etwas anspruchsvoller. Es ist genau die Mischung im Stil, damit sowohl Kinder es verstehen und gleichzeitig Erwachsene sich noch an dem Buch erfreuen können. Und noch dazu versucht Philip Pullman immer wieder phantastische Dinge auf eine wissenschaftliche Weise zu erklären. Dadurch wirkt das Buch irgendwie nicht ganz so aus dem Leben gegriffen, man merkt dadurch auch einfach immer wieder, wie nah diese Welt an der unseren liegt, was mir sehr zugesagt hat. Mein Vorstellungsvermögen mag darin vielleicht etwas eingeschränkt sein, aber ich eine vollkommen neu erschaffene Welt kann ich mich immer nur schwer hineinfinden.

Eine andere Sache, die mir sehr gefallen hat, ist der Bezug zu der alten nordischen Kultur, den Phullman benutzt, um die Gypter zu beschreiben. Sie sind Seeleute und treffen sich einmal im Jahr mit allen Stämmen in ihrer Hauptstadt, wo sie ein Thing abhalten. Dieses Idee ist Pullman - in meinen Augen - wohl durch die früheren Wikinger gekommen, die ebenfalls Seeleute waren. Auch sie haben sich einmal im Jahr mit allen Stämmen zu einem Allthing getroffen, damit dort die unterschiedlichsten Dinge besprochen werden konnten. Jeder, der etwas zu sagen hatte, ist auch zu Wort gekommen, genau wie das in diesem Buch auch bei den Gyptern der Fall war.

Fazit:
Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und ist kann es wirklich nur weiter empfehlen. Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass es eben wirklich Fantasy ist und es nicht jedem zusagen wird.
Von mir bekommt das Buch aber 5 von 5 Sternen.