Donnerstag, 12. Juli 2012

[Buchvorstellung] Henning Mankell - Mittsommermord

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Originaltitel: Steget efter
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Seitenzahl:
603 Seiten
ISBN:
3-522-04962-2

Inhalt:
Sind die drei Jugendlichen, die zusammen Mittsommer verbracht haben, wirklich in Europa oder hat die besorgte Mutter recht? Wallander und seine Kollegen sind sich nicht sicher, noch dazu taucht Svedberg nicht mehr auf.
Einer Eingebung folgend brechen Wallander und Martinsson in die Wohnung des Kollegen ein und findet ihn erschossen im Wohnzimmer. Bald tauchen auch die drei Jugendlichen auf. Tot sitzen sie verkleidet in einem Naturreservat. Wallander vermutet einen Zusammenhang, aber der Täter scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein.

»Normale Leute haben Alpträume, wenn sie schlafen«, sagte Nyberg. »Wir, die wir gezwungen sind, in so etwas hier auf dem Kopf zu stehen, erleben unsere Alpträume im wachen Zustand.«

Meine Meinung:
Dies ist der siebte Teil der Wallanderreihe von Henning Mankell und ist genau gelungen, wie all die anderen Teile, die ich bis jetzt gelesen habe.
Mankells Figuren wachsen einem sofort ans Herz. Der etwas mürrische Wallander, der mittlerweile stark mit seiner Gesundheit zu kämpfen hat, aber sich seine Diabetes nicht eingestehen möchte und auch seinen Kollegen nichts davon erzählt. Wieso weiß er selbst nicht. Ich als Leser habe teilweise mit ihm gelitten und man konnte sich auch sonst sehr gut in seine Gedanken hineinversetzen. Besonders auch die Hilflosigkeit, die er bei der Aufklärung des Falles immer wieder empfindet, macht sich auch in einem selbst breit. Gleichzeitig möchte man ihm am liebsten zurufen, was man erfährt, wenn man kleine Stellen aus der Sicht des Mörders liest und mehr über seine Pläne und Vorhaben erfährt.
Martinsson und Ann-Britt Höglund merkt man an, dass sie seine beiden engsten Kollegen sind und durch kleine persönliche Dinge, die eingeworfen werden, erhält man auch von den beiden ein sehr schönes Bild.
Aber auch alle anderen Charakter, die in diesem Buch vorkommen, sind von Mankell wieder sehr gut gezeichnet. Ich konnte sie alle vor mir sehen, auch wenn sie nur eine sehr kleine Rolle in den Ermittlungen bekommen haben. Sie waren trotzdem präsent und genau das ist mir bei Büchern sehr wichtig. 

Ich habe Angst, dachte er. An das Böse habe ich nie geglaubt. Es gibt keinen bösen Menschen, niemand wird mit einer genetisch bedingten Brutalität geboren. Dagegen gibt es böse Umstände. Das Böse gibt es nicht. Aber hier ahne ich etwas, das sich in einem verfinsterten Gehirn abspielt.

Was mir ebenfalls gefallen hat, ist, dass auch bei diesem Buch auf unrealistische Szenerien eher verzichtet wurde. Man erhält, denke ich, einen halbwegs guten und authentischen Einblick in die Polizeiarbeit. So ist es zwischenzeitlich so, dass sie immer wieder auf die gleichen Gedanken und Fragen in der Ermittlung eingehen, weil sie einfach nichts weiter haben. Der Mörder hinterlässt nur wenig Spuren und so muss jeder noch so kleinen Spur nachgegangen werden. Genau so stelle ich es mir irgendwie auch im wahren Polizeileben vor. Zwischendurch geht es einfach nicht weiter, man findet keine neuen Hinweise und hat wohl auch das Gefühl, den Fall nie aufklären zu können, was leider oft genug auch dann am Ende das Ergebnis ist.
Hier allerdings wird der Fall aufgeklärt und bringt einen Mörder hervor, der irgendwie unverständlich handelt. Das ist vielleicht nur mein einziger, kleiner Kritikpunkt. Man versteht die Intention des Mörders nicht, aber man hat gleichzeitig das Gefühl, dass er selbst nicht genau weiß, wieso er all das getan hat. Er ist eher ruhig und unauffällig und passt gar nicht in das kaltblütig Bild, das man sich zu Beginn gemacht hat.
Was mir ebenfalls immer sehr an Mankells Büchern gefällt und auch in diesem nicht fehlen durfte, ist die schlichte Schreibweise und die Kritik an der Politik und der Gesellschaft. Immer wieder wird Wallander, der bereits fast fünfzig Jahre alt ist, bewusst, wie sich die Welt in den letzten Jahren geändert hat und auch diesmal kommt er von der Frage nicht los, was er als Polizist eigentlich noch tun kann.

Eine neue große Teilung des Volkes ging im Land vor sich. In Menschen, die gebraucht wurden, und Menschen, die unnötig waren. In dieser Wirklichkeit Polizist zu sein würde immer schwierigere Wahlsituationen mit sich bringen. Sie würden weiterhin eine Oberfläche sauber halten, obwohl die Fäulnis darunter weiterbestand, in der tragenden Konstruktion der Gesellschaft.

Fazit:
Insgesamt hat mir Mittsommermord wieder sehr gut gefallen und ich kann es wirklich nur empfehlen. Man versteht es außerdem auch, wenn man vorher noch kein anderes Buch über Wallander gelesen hat. Ein spannender Krimi, der mich bis zur letzten Seite gefesselt hat.
Von mir erhält das Buch 4,5 von 5 Sterne, aufgrund der einen kleinen Sache mit dem Mörder, dessen Handeln man nicht voll und ganz nachvollziehen kann.

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